YSERVER 1.3: Der in Rust geschriebene X11-Server wird benutzbar
Wer vor einem Monat noch skeptisch war, als ein mit Claude Code "vibe-coded" X11-Server in Rust angekündigt wurde, sollte sich Version 1.3 anschauen. YSERVER wird langsam brauchbar. Ob das Projekt langfristig Bestand haben wird, steht allerdings auf einem anderen Blatt.
Was ist neu in 1.3?
Jos Dehaes, der Entwickler hinter YSERVER, hat in den letzten Wochen einiges verbessert:
- FreeBSD-Unterstützung: Läuft inzwischen auf GhostBSD. Ebenfalls funktionieren musl/Alpine-Builds.
- Xinerama: Die Multi-Monitor-Extension wird jetzt unterstützt.
- Display-Hotplug: Monitore können zur Laufzeit an- und abgeschlossen werden.
- Direkter VT-Switching: Umschalten zwischen virtuellen Konsolen ohne Umwege.
- RANDR-Gamma-Korrektur:
redshiftfunktioniert damit. - XKB-Layout-Switching zur Laufzeit, plus Keyboard-LEDs via XKB-Status.
- xauth-Unterstützung: Authentifizierung für Remote-X-Sessions.
Getestet mit echten Desktops
YSERVER läuft inzwischen mit kompletten Desktop-Sessions: MATE, Xfce und Cinnamon wurden getestet. Dazu kommen diverse Window-Manager wie Compiz, Openbox, Awesome, Enlightenment, FVWM3 und Window Maker. Hardwaretests erstrecken sich von AMD und Intel bis hin zu Snapdragon und Apple Silicon.
Ist das ernstzunehmen?
Vor einem Monat hätte ich gesagt: nettes Experiment. Aber Version 1.3 zeigt, dass das Projekt Fortschritte macht. Klar, das ist kein Ersatz für Xorg oder XWayland, und die Tatsache, dass ein erheblicher Teil des Codes von einer KI geschrieben wurde, wirft Fragen zur Wartbarkeit auf.
Aber: Ein funktionierender X11-Server in Rust mit FreeBSD-Support und Multi-Monitor, entwickelt in wenigen Wochen? Das ist zumindest beeindruckend, auch wenn "vibe coding" kein nachhaltiger Entwicklungsansatz für kritische Infrastruktur ist.
Den Quellcode gibt es auf GitHub.