Gentoo sucht Infrastruktur-Sponsoren
Gentoo hat ein Problem, das in keinem Bugreport auftaucht: Mehrere langjährige Infrastruktur-Sponsoren haben ihre Unterstützung dieses Jahr eingestellt. Das Projekt sucht nun Ersatz und hat dafür einen offiziellen Aufruf veröffentlicht. Hinter gentoo.org steckt Infrastruktur, die bezahlt und betrieben werden muss. Dafür ist Gentoo auf externe Unterstützung angewiesen.
Die Sponsoren-Seite listet noch Namen wie das Open Source Lab der Oregon State University, CDN77, HP und Hetzner auf, aber sie spiegelt die Ausfälle noch nicht wider. Die Ankündigung selbst nennt die abwandernden Sponsoren ebenfalls nicht. Ein großer Teil der Gentoo-Infrastruktur wird gesponsert; das Projekt selbst unterhält nur wenige wichtige Maschinen. Jeder Ausfall schmerzt also.
Was Gentoo braucht
Gentoo nennt ziemlich genau, was gebraucht wird. Die Sponsorship-Seite des Infrastructure-Projekts listet die Wünsche auf, die Anforderungen sind dabei teilweise erstaunlich überschaubar. Organisationen, deren Ziele zu Gentoo passen, werden ausdrücklich bevorzugt.
Gesucht werden vor allem virtuelle Maschinen, physische Server, Colocation und finanzielle Unterstützung. Bei VMs reichen bereits 2 vCPU, 4 GiB RAM und 25 GB Speicher, allerdings sind viele Gentoo-Dienste monolithisch und passen schlecht in Kubernetes. Bei dedizierter Hardware kommen sowohl komplette Root-Server, wie sie etwa Hetzner anbietet, infrage als auch ältere Maschinen, die in einem Firmenrack ungenutzt herumstehen. Gentoo benötigt darauf vollen Fernzugriff. Der Sponsor bleibt Eigentümer der Hardware, Gentoo verwaltet das Betriebssystem und bittet nur vor Migrationen um Vorlauf.
Colocation läuft andersherum: Der Sponsor stellt Rack-Space, Strom und Anbindung, Gentoo sucht sich die Hardware selbst. Nicht-US-Kapazität wird derzeit ausdrücklich gesucht, US-Angebote werden aber nicht abgelehnt. Hardware-Spenden können vorerst nur an US-Standorten angenommen werden, und Geld fließt direkt in Colocation und Hosting.
Dafür werden Sponsoren auf der Sponsoren-Seite gelistet und bekommen einen Eintrag in der Werbe-Rotation auf der Hauptseite, gewichtet nach dem Marktwert der Spende. Wer nicht genannt werden will, kann semi-anonym bleiben. Interessierte erreichen das Infrastruktur-Team unter infra@gentoo.org.
Nicht das einzige Projekt in dieser Lage
Gentoo ist damit nicht allein. Auch andere Open-Source-Projekte versuchen derzeit, ihre Infrastruktur über neue Sponsoren abzusichern. Der LVFS-Firmware-Update-Dienst, der Firmware für Millionen Linux-Geräte ausliefert, hat sich jahrelang auf die Linux Foundation und Red Hat gestützt, bevor dieses Jahr Hardware-Hersteller nachgezogen sind: Framework und die Open Source Firmware Foundation kamen zuerst, dann unterschrieben Lenovo und Dell als Premier-Sponsoren mit je 100.000 Dollar pro Jahr, HP und NVIDIA folgten.
Gentoo gehört zu den größeren Distributionen, die einen erheblichen Teil ihrer Infrastruktur selbst betreiben: Mirrors, die Package-Build-Farm, der Bugtracker, das Wiki und genau diese Website. Fällt ein Sponsor weg, kann Gentoo die betroffenen Dienste deshalb nicht einfach auf die Ressourcen eines Mutterkonzerns verschieben. Ein solcher Aufruf ist nicht das erste Mal: Eine ähnliche Bitte ging 2014 raus, als zwei große Sponsoren im selben Jahr ausfielen.
Für Unternehmen mit freiem Rack-Space oder ungenutzter Server-Hardware ist das damit eine Möglichkeit, Gentoo direkt zu unterstützen.