BSDun: FreeBSD-Binaries direkt unter Linux laufen lassen

Ein neues Projekt namens BSDun versucht etwas Ungewöhnliches: FreeBSD-Binaries direkt unter Linux auszuführen, ohne sie zu kompilieren. Das Projekt ist gerade mal zwei Wochen alt, aber die bisherigen Ergebnisse sind bemerkenswert.

Was ist BSDun?

BSDun ist ein Linux-Kernelmodul, das dem Kernel beibringt, FreeBSD-ELF-Executables zu erkennen und zu laden. Die Programme laufen dann gegen eine FreeBSD-Userland unter /compat/freebsd, die mit den benötigten Bibliotheken und Basiswerkzeugen eingerichtet werden muss. Das Konzept ist die Spiegelung von FreeBSDs Linuxulator, der es FreeBSD erlaubt, Linux-Binaries auszuführen. BSDun macht es andersherum.

Was funktioniert bisher?

Laut GitLab-Seite des Projekts (erstellt am 23. Juni 2026) gibt es bereits eine beeindruckende Liste an funktionierender Software:

Wie funktioniert es technisch?

BSDun registriert einen FreeBSD-ELF-Handler in der Binary-Format-Chain von Linux. Wenn ein Programm gestartet wird, prüft das Modul über das ELF-OSABI-Feld oder einen FreeBSD-ABI-Note, ob es sich um ein FreeBSD-Binary handelt.

Falls ja: BSDun lädt das ELF-Image, erstellt einen FreeBSD-kompatiblen Auxiliary Vector und leitet die Laufzeitumgebung auf das FreeBSD-Compatibility-Root um. Zusätzlich übernimmt das Modul unter anderem die Übersetzung von Systemaufrufen und Signalen sowie weitere ABI-Anpassungen zwischen FreeBSD und Linux.

Einschränkungen

Das Projekt ist experimentell. Es ist nicht Teil des Upstream-Linux-Kernels und sollte nicht als stabiles Subsystem betrachtet werden. Viele Funktionen befinden sich noch im Aufbau, und die Kompatibilität wird kontinuierlich erweitert. Ein Sicherheitshinweis: Capsicum-bezogene Aufrufe werden als erfolgreiche No-ops akzeptiert, weil Linux kein Capsicum-Sandboxing bietet. Das heißt, manche Software läuft, aber nicht mit dem exakt gleichen Sicherheitsverhalten wie unter FreeBSD.

Fazit

BSDun ist gerade einmal zwei Wochen alt und hat noch keine Releases. Trotzdem zeigt das Projekt bereits, wie weit sich die Binärkompatibilität zwischen Unix-ähnlichen Systemen treiben lässt. Ob daraus einmal eine alltagstaugliche Lösung wird, bleibt abzuwarten.